Bindungsorientiert nachts abstillen – sanft und in kleinen Schritten
- Anna Schuh
- 18. Sept. 2025
- 3 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 8. Okt. 2025

Nächte mit einem stillenden Kleinkind sind besonders – voller Nähe, Geborgenheit, aber manchmal auch voller Erschöpfung. Wir Mamas kennen das alle, das Gefühl, zwischen Liebe und Müdigkeit hin- und hergerissen zu sein: Einerseits ist das Stillen Trostspender, Einschlafhilfe und Bindungsmoment in einem. Andererseits wird der eigene Schlaf immer weniger, der Körper immer müder,und das Bedürfnis nach Veränderung wächst.
Wenn du spürst, dass es Zeit ist, nachts abzustillen, bedeutet das nicht, dass du deinem Kind Nähe entziehst. Im Gegenteil: Bindungsorientiert abstillen heißt, neue Wege zu finden, um dein Kind sicher, liebevoll und Schritt für Schritt zu begleiten.
Hinweis zur Ernährung im 1. Lebensjahr
Im ersten Lebensjahr brauchen die meisten Babys auch nachts noch Kalorien. Nächtliches Abstillen ist erst nach dem 1. Geburtstag sinnvoll – vorher ist Milch noch die Hauptnahrungsquelle und Beikost wird meistens nur in kleinen Mengen gegessen.
Was bedeutet bindungsorientiert nachts abstillen?
Bindungsorientiert nachts abstillen bedeutet, dass dein Kind in seinen Gefühlen – Frust, Wut oder Traurigkeit – nicht allein gelassen wird. Auch wenn die Brust in der Nacht nicht mehr angeboten wird, bekommt dein Kind weiterhin Nähe: durch Kuscheln, beruhigende Worte, deine Stimme, Berührung oder Körperkontakt. So führst du die Veränderung behutsam ein, respektierst das Tempo deines Kindes – und bleibst gleichzeitig achtsam mit dir selbst..
Kleine Schritte statt großer Umbruch
Ein erster Schritt beim nachts abstillen ist, das Einschlafen ohne Brust am Tag zu üben. Ob im Kinderwagen, in der Trage, mit Papa oder beim Kuscheln auf dem Sofa – wenn es am Nachmittag klappt, lässt es sich leichter auf den Abend übertragen. Meistens macht es Sinn das Stillen bewusst vom Schlafplatz zu trennen. .
Erste Schritte die du umsetzen kannst:
➔ Einschlafen ohne Brust üben – zuerst tagsüber, wo die Stimmung entspannter ist. Kinderwagen, Trage, Auto oder Kuscheln auf dem Sofa sind gute Alternativen. Wenn das am Nachmittag klappt, lässt es sich leichter auf den Abend übertragen.
➔ Stillplatz statt Stillbett – trenne Stillen bewusst vom Schlafplatz. Ein eigener Sessel oder eine Kuschelecke hilft, die Gewohnheit „Bett = Brust“ sanft zu verändern.
➔ Papa übernimmt das zu Bett gehen– das funktioniert oft sehr gut, weil Papa ganz andere Rituale anbieten kann
➔ ein Kuscheltier oder Tuch anbieten– damit dein Kind etwas hat, dass es halten kann
Feste Zeitfenster in der Nacht
Da Kleinkinder noch kein Zeitgefühl haben, helfen klare Signale. zum Beispiel feste Zeitfenster einzuführen, in denen gestillt wird. Bis Mitternacht wird Nähe angeboten, oder Papa übernimmt und nach Mitternacht darf gestillt werden. Damit das für dein Kind verständlicher ist können kleine Hilfen nützlich sein wie eine Lampe, die zeigt, wann gestillt werden darf. Du kannst deinem Kind auch erklären, dass die Brust gerade schläft. So wird das Vorgehen für dein Kind nachvollziehbarer.
Alternative Beruhigungsmethoden
Wenn das Stillen in der Nacht weniger werden soll, brauchen unsere Kinder neue Rituale, die ihnen Geborgenheit geben. Am wichtigsten ist natürlich Körperkontakt – Kuscheln, aneinandergekuschelt liegen, gestreichelt werden oder einfach die Hand halten. Manche Kinder lassen sich zusätzlich über die Stimme beruhigen: ein leises Lied, Summen oder ruhige Musik. Auch ein kleines Nachtlicht kann Sicherheit schenken. Andere lieben es, etwas in den Händen zu haben – ein Kuscheltier, ein Tuch oder ein Kuscheltuch. Und manchmal hilft auch ein vertrauter Duft wie Lavendel, wenn er dezent eingesetzt wird.
Entscheidend ist nicht, möglichst viele Dinge auszuprobieren, sondern ein, zwei liebevolle Rituale zu finden und sie konsequent beizubehalten. So spürt dein Kind Sicherheit – und das nachts Abstillen wird leichter.
Selbstfürsorge für dich als Mama
Das nächtliche Abstillen ist nicht nur eine Umstellung für dein Kind, sondern auch für dich.
Schlafmangel, Zweifel und Erschöpfung können diese Phase sehr anstrengend machen. Deshalb ist es wichtig, dass du dir deiner Entscheidung sicher bist, bevor du beginnst. Hol dir Unterstützung durch deinen Partner oder den Großeltern– und gönn dir Pausen, wenn es dir zu viel wird. Nächtliches Abstillen darf jederzeit verschoben werden, wenn die Zeit noch nicht reif ist. Deine innere Ruhe und Klarheit sind entscheidend, damit dein Kind Vertrauen fassen kann. Wichtig an dieser Stelle - wenn es dir gut geht mit derv Situation musst du nicht s verändern.
Wie lange dauert es, bis Rituale greifen?
Neue Gewohnheiten brauchen Zeit und Wiederholung.
In den meisten Familien dauert es 2–3 Wochen, bis ein neues Einschlafritual vom Kind wirklich akzeptiert wird.
Rückschläge sind normal – manchmal läuft es zwei Tage gut, dann wieder schlechter. Das heißt nicht, dass es gescheitert ist, sondern dass das Kind noch übt.
Wichtig ist Konsistenz: Je klarer und liebevoller du dranbleibst, desto schneller wird das neue Muster zur Gewohnheit.
Bindungsorientiert nachts abzustillen bedeutet, dass du dein Kind in diesem Übergang liebevoll begleitest, statt es allein zu lassen.
Mit kleinen Schritten, klarer Haltung, festen Zeitfenstern und neuen Ritualen findet ihr euren eigenen Weg – weg vom nächtlichen Stillen, hin zu mehr Ruhe und Leichtigkeit für euch beide.
Dein Kind spürt dabei: Auch wenn etwas Altes endet, bleibt das Wichtigste bestehen – deine Nähe, Liebe und Verlässlichkeit.






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